Wolle schenkt man nicht

Der naheliegendste Gedanke ist der falsche. Wer jemanden kennt, der strickt, häkelt oder näht, kauft Garn — und liegt damit fast immer daneben.

Das liegt nicht am Geschmack, sondern an der Zahl der Entscheidungen. Lauflänge, Nadelstärke, Faserart und Farbe müssen zusammenpassen, und sie hängen am Projekt, nicht an der Person. Ein Garn, das für sich genommen schön ist, passt zu nichts, was gerade auf dem Tisch liegt, und wandert in die Kiste zum Rest.

Dazu kommt etwas Unangenehmeres. Geschenktes Material bringt eine Erwartung mit: Jetzt muss daraus etwas werden, und zwar möglichst etwas, das der schenkenden Person gefällt. Wer für andere arbeitet, hat davon ohnehin genug.

Der Vorrat ist übrigens kein Argument dagegen und auch kein Argument dafür. Er wird von außen oft als Problem gelesen, ist aber keins. Der Vorrat ist die Sammlung. Das Projekt ist die Beschäftigung. Beides hat miteinander weniger zu tun, als es aussieht.

Was bleibt, ist alles, was unabhängig vom laufenden Projekt hilft: Werkzeug, das nicht verloren geht oder gerade doch, Ordnung für die Kleinteile, Licht am richtigen Platz, und der ganze Teil nach dem letzten Stich, für den sich niemand selbst etwas kauft. Das setzt nichts über das nächste Projekt voraus — nur, dass es eines geben wird.

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