Was im Standortbuch steht
Mein wichtigstes Werkzeug ist eine Zeichnung. Ein Grundriss der Wohnung, freihändig, mit Fenstern und einem Pfeil für die Himmelsrichtung.
Eingetragen ist pro Standort dreierlei: wie weit er vom Fenster entfernt ist, in welche Richtung dieses Fenster zeigt, und in welchem Rhythmus dort gegossen wird. Nicht wie viel — nur wie oft, und wie sich das zwischen Sommer und Winter verschiebt.
Was in dieser Skizze nicht steht, ist bemerkenswert. Es gibt keine Spalte für Arten. Das war keine Entscheidung, sondern hat sich ergeben: Zwei Pflanzen derselben Art an zwei Standorten verhalten sich unterschiedlicher als zwei verschiedene Arten am selben Fenster. Die Art erklärt weniger, als alle denken.
Die Skizze erklärt auch, warum meine Auswahl aussieht, wie sie aussieht. Wer Standorte notiert, merkt schnell, dass es zwei Sorten von Problemen gibt. Die einen lassen sich durch Umstellen lösen — dafür braucht man ein Rollbrett und ein Gefäß, das an die neue Stelle passt. Die anderen lassen sich nicht durch Umstellen lösen, weil es die bessere Stelle in dieser Wohnung nicht gibt. Dafür braucht man Licht.
Und für die Frage, ob heute gegossen werden muss, braucht man kein Gefühl, sondern eine Messung. Das ist der ganze Trick, und er passt auf eine Seite Papier.