Frag nicht nach der Rute

Wer jemandem etwas zum Angeln schenken will, landet zuverlässig bei der Rute. Sie ist das sichtbarste Teil, sie steht in jedem Schaufenster, und sie sieht nach einem großen Geschenk aus. Sie ist auch das einzige Teil, das man auf keinen Fall verschenken sollte.
Eine Rute wird nicht nach Geschmack gewählt, sondern nach Gewässer. Ein Fluss mit Strömung verlangt etwas anderes als ein Baggersee, ein Steg etwas anderes als eine Uferböschung mit Schilf. Wer das nicht weiß, entscheidet stellvertretend über eine Sache, bei der es keine allgemein richtige Antwort gibt.
Das Ergebnis ist bekannt. Die Rute wird ausgepackt, gelobt, in die Ecke gestellt und nie wieder angefasst. Zurückgegeben wird sie nicht, weil sie ein Geschenk war. Dasselbe gilt für Rollen, für Schnur, für alles, was zum Fangen selbst gehört.
Was übrig bleibt, ist der ganze Rest — und der ist größer, als man von außen denkt. Angeln besteht zum kleineren Teil aus Angeln. Der größere Teil ist warten, sitzen, frieren, im Dunkeln etwas suchen, das eben noch da war.
Genau dort kann man schenken, ohne etwas über das Gewässer zu wissen. Wärme, Licht, Ordnung, etwas Heißes. Diese vier gehen immer, weil sie nicht davon abhängen, wo jemand angelt, sondern nur davon, dass er früh aufsteht.