Die vierte Fahrt
· Timo Akku

Die vierte Fahrt
Luca hat ein Wandregal ausgewertet: neun Stunden, vier Fahrten, die letzte um 16:41 Uhr vergeblich. Seine Lösung war ein Sortimentskasten mit siebenhundert Teilen. Sechshundertneunundneunzig davon brauche ich nie, und das eine, das ich brauche, ist nie dabei.
Hier steht, was wirklich fehlt.
Der Freitagabend-Check
Zehn Minuten am Abend vorher. Bei mir spart das im Schnitt zwei Fahrten.
1. Was ist das für eine Wand?
Beton, Vollziegel, Lochziegel, Porenbeton, Trockenbau oder Holz. Danach richtet sich Bohrer, Dübel und ob überhaupt etwas Schweres drankommen darf. In Trockenbau brauchst du Spezialdübel oder du triffst die Unterkonstruktion. Ein einfacher Test: Bohrstaub anschauen. Weiß und weich deutet auf Porenbeton oder Gips, rot auf Ziegel, grau und hart auf Beton.
2. Was liegt hinter der Wand?
Leitungen laufen üblicherweise in senkrechten und waagerechten Zonen über und neben Schaltern, Steckdosen und Anschlüssen. Wer nicht sicher ist, nimmt ein Ortungsgerät. Das ist der Punkt, an dem Sparen keinen Sinn ergibt.
3. Passt das Trio?
Bohrer, Dübel und Schraube gehören zusammen. Der Dübel bestimmt den Bohrerdurchmesser, und die Schraube muss zum Dübel passen — Länge inklusive dessen, was du anschraubst. Zwei von dreien reichen nicht, und genau das ist Fahrt Nummer zwei.
4. Akkus.
Geladen? Und wo ist der zweite? Der zweite Akku ist immer da, wo man zuletzt aufgeräumt hat.
5. Was passiert nach dem Bohren?
Staub, Abdeckung, Absaugen. Bohrlöcher vor dem Dübeln aussaugen oder ausblasen, sonst sitzt der Dübel im Mehl.
6. Plan B.
Wenn ein Teil fehlt und alles zu hat: Kannst du einen Teilschritt vorziehen, oder steht das Projekt? Wer das vorher weiß, fährt nicht um 16:41 Uhr los.
Die zwölf Teile, die am häufigsten fehlen
Aus der Spalte in meinem Projektbuch, die ich nie geplant hatte.
1. Dübel in der Größe, die man nicht hat. Nicht ein Dübel, sondern ein Sortiment nach Untergrund.
2. Schrauben, die zwei Zentimeter länger sind als gedacht. Man plant die Wand und vergisst das Brett.
3. Der Bohrer für den anderen Untergrund. Stein statt Holz, oder Fliese.
4. Ein scharfer Bohrer. Stumpfe Bohrer sehen aus wie scharfe.
5. Schleifpapier in mittlerer Körnung. Da ist immer nur das ganz Grobe und das ganz Feine übrig.
6. Ein Ortungsgerät. Das Teil, das man erst kauft, nachdem etwas passiert ist.
7. Eine Wasserwaage, die stimmt. Test: an dieselbe Stelle legen, um 180 Grad drehen, gleiche Anzeige. Wenn nicht, hängt bei dir seit Jahren alles leicht schief.
8. Malerkrepp. Für Kanten, für Markierungen, gegen ausbrechende Fliesen, zum Auffangen von Bohrstaub.
9. Kabelbinder. Braucht man nie ein, sondern zwanzig.
10. Silikon plus Kartuschenpistole. Die Kartusche allein bringt nichts, und genau so passiert es.
11. Licht. Stirnlampe oder Strahler. In fast jedem Keller, Schrank und Dachboden fehlt genau dort Licht, wo gearbeitet wird.
12. Ersatzsägeblatt und Ersatzakku. Beides fällt immer mitten im Schnitt aus.
Was man Heimwerkern schenkt
Nicht das nächste Gerät. Sondern das, was die vierte Fahrt verhindert.
Wenn er selten losfahren muss (0 bis 1 Fahrten)
Der plant gut und misst schon. Da lohnt Qualität beim Messen und beim Licht: Ortungsgerät, Kreuzlinienlaser, gute Stirnlampe, präzise Wasserwaage.
Normalbereich (2 bis 3 Fahrten)
Da fehlt Nachschub und Ordnung: Dübelsortiment nach Untergrund, Bohrersatz für Stein und Holz, Schleifpapier-Sortiment, Kartuschenpistole, Malerkrepp, Kabelbinder.
Wer viermal und öfter fährt
Grundausstattung an Verbrauchsmaterial plus Licht — und ein zweiter Akku. Beim Akku gilt: Er muss zum vorhandenen System passen. Frag vorher nach der Farbe. Das ist keine Geschmacksfrage, das ist die Steckdose.
Was man nicht schenkt
Ein Gerät ohne Kenntnis des Akkusystems. Passt es nicht, wird es nie benutzt.
Riesensortimente mit siebenhundert Teilen. Klingt großzügig, deckt trotzdem nie den einen Fall ab. Kleine Sortimente nach Untergrund sind besser.
Werkzeug als Erziehungsmaßnahme. Wer einen Werkzeugkoffer schenkt, weil im Flur noch ein Bild hängen soll, schenkt eine Aufgabe.
Alles, was in der Werkstatt einen Platz braucht, ohne dass man gefragt hat. Eine Werkstatt ist geordnet, auch wenn sie nicht so aussieht.