Zehn Minuten am Morgen

Zehn Minuten klingen nach nichts. In dieser Lebensphase sind sie eine große Zahl, und das liegt daran, wo im Tag sie liegen.

Morgens gibt es keinen Puffer. Was vorne verloren geht, wird nirgends wieder aufgeholt, weil jeder folgende Punkt an einer Uhrzeit hängt, die nicht verhandelbar ist. Zehn Minuten am Morgen sind deshalb nicht zehn Minuten, sondern der Unterschied zwischen einem Tag mit Vorsprung und einem, der ab halb acht hinterherläuft.

Verloren gehen sie fast nie an einer großen Sache. Sie gehen an Suchvorgängen verloren. Ein fester Platz für die Schlüssel spart mehr Zeit als jede Umstellung des Ablaufs, weil er nicht davon abhängt, dass sich jemand an etwas erinnert.

Der zweite Punkt ist das Vorziehen. Alles, was am Abend vorher passiert, passiert unter besseren Bedingungen als dasselbe am Morgen. Das gilt für Taschen, für Kleidung und vor allem für das Essen.

Und der dritte Punkt ist der unspektakulärste: Dinge, die zurückgehen, wo sie hergekommen sind. Ein Korb im Flur, ein Sortierer für die Wäsche, eine Dose mit Deckel. Nichts davon macht einen Morgen angenehm. Sie machen ihn nur kürzer, und das reicht völlig.

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