Eine Zeile pro Abend

Mein Journal ist unspektakulär: links das Datum, rechts eine Zeile. Kein Vordruck, keine Felder, keine Fragen, die beantwortet werden wollen.

Das ist keine Bescheidenheit, sondern der einzige Grund, warum es seit Jahren funktioniert. Ein Heft mit Vordruck verlangt jeden Abend dasselbe, und an dem Abend, an dem man das nicht liefert, entstehen Lücken, die einen ansehen. Eine leere Zeile ist eine leere Zeile.

Nach ein paar Monaten kann man darin etwas nachlesen, das man sonst nicht wüsste: was tatsächlich benutzt wurde. Nicht was gekauft wurde, nicht was gut aussah — was vorkommt. Bei mir sind das immer dieselben Dinge. Ein Stift. Eine Kerze. Eine Decke. Zwei oder drei Formulierungen, die sich wiederholen.

Was nicht vorkommt, ist ebenso deutlich. Alles, was einmal ausprobiert wurde und dann nie wieder. Meistens waren das Sachen mit einer Idee dahinter, oft geschenkt, fast immer gut gemeint.

Daraus wird eine Auswahl, ohne dass ich mich für irgendetwas entscheiden müsste. Was über Monate täglich vorkommt, ist Material. Alles andere war Vorsatz, und Vorsatz verschenkt man besser nicht.

Alle Beiträge dieser Stimme

Lust, selbst passende Geschenke zu finden? Zu den Selfcare-Geschenkideen von Lou Ruh