Die Reihenfolge

· Emil Brüh

Die Reihenfolge

Luca hat einer Frau, die seit zwanzig Jahren vier Tassen am Tag trinkt, eine bessere Maschine geschenkt. Mehr Druck, stabilere Temperatur, kürzere Aufheizzeit. Neben der alten Maschine stand auf dem Küchenfoto eine Tüte, die er für Verpackung hielt. Da war gemahlener Kaffee drin.

Er hat das Ende verbessert und den Anfang gelassen, wie er war.

Vier Dinge, in dieser Reihenfolge

1. Die Bohne. Frisch geröstet schlägt teuer. Ein Röstdatum auf der Packung ist mehr wert als jede Auszeichnung darauf.

2. Der Mahlgrad. Hier entscheidet sich fast alles. Gemahlener Kaffee verliert Aroma, sobald die Tüte offen ist — und er ist immer auf eine Zubereitungsart gemahlen, meistens nicht auf deine. Deshalb ist die Mühle der Anfang und nicht das Zubehör.

3. Die Maschine. Wichtig, aber erst an dritter Stelle. Eine sehr gute Maschine macht aus mittelmäßigem Mahlgut sehr präzise dasselbe.

4. Der Handgriff. Gleiche Menge, gleiche Zeit, gleiche Temperatur. Deshalb wiege ich ab. Nicht aus Pedanterie, sondern weil man sonst nie weiß, warum es heute besser war.

Und ein Test, der nichts kostet: Riech an deinem gemahlenen Kaffee, mahl dann eine Portion frisch und riech noch mal. Das ist der ganze Unterschied.

Die Brühkarte

Richtwerte, keine Gesetze. Ändere immer nur eine Sache auf einmal.

Filter

WasWert

Verhältnis

60 g auf 1 Liter, also etwa 18 g auf 300 ml

Wasser

92–96 °C, nach dem Kochen eine Minute warten

Mahlgrad

mittel, wie grober Sand

Läuft es deutlich schneller durch, feiner mahlen. Dauert es viel länger, gröber.

Siebträger

WasWert

Verhältnis

18 g rein, etwa 36 g raus

Zeit

25 bis 30 Sekunden

Wasser

92–94 °C

Zu schnell heißt zu grob, zu langsam heißt zu fein. Wiege das, was in der Tasse ankommt, nicht nur das, was du einfüllst.

Vollautomat

Beim Vollautomaten ist nicht der Mahlgrad dein Thema, sondern die Pflege. Die meisten Geschmacksprobleme sind Reinigungsprobleme.

  • Mahlgrad nur bei laufendem Mahlwerk verstellen. Steht in jeder Anleitung, liest kaum jemand.

  • Wasser täglich wechseln, nicht nachfüllen.

  • Milchsystem nach jedem Gebrauch spülen.

  • Brühgruppe wöchentlich mit warmem Wasser abspülen, ohne Spülmittel, sofern sie entnehmbar ist.

  • Bohnenbehälter nur so voll füllen, wie in zwei Wochen getrunken wird. Kaffeeöl wird ranzig.

  • Entkalken nach Wasserhärte, nicht nach Gefühl. Die Härte steht beim Wasserversorger.

Kapsel

Tasse vorwärmen, regelmäßig entkalken, und wenn Milch dazukommt, entscheidet die Milch mehr als die Kapsel. Mehr sage ich dazu nicht.

Was man schenkt

Filter - eine Mühle mit feiner Abstufung, eine Waage mit Timer, ein Wasserkocher mit schmalem Auslauf, ein Handfilter mit passenden Papierfiltern.

Siebträger - Waage, Tamper, der zum Sieb passt, Abklopfbehälter, Milchkännchen, Reinigungsbürste. Präzise Zubehörteile sind hier die besseren Geschenke, weil die Maschine schon da ist.

Vollautomat - Reinigungstabletten, Entkalker für das jeweilige Gerät, Milchsystemreiniger, Wasserfilter, Tassen, die zur Auslaufhöhe passen, und gute Bohnen in kleinen Mengen.

Kapsel - ein guter Milchaufschäumer, eine Aufbewahrung, die nicht nach Werbung aussieht, Tassen, Entkalker.

Was man nicht schenkt

  • Eine bessere Maschine, wenn der Mahlgrad nicht stimmt. Sie macht das Bestehende präziser, nicht besser.

  • Gemahlenen Kaffee an jemanden mit Mühle. Und ungemahlene Bohnen an jemanden ohne Mühle. Beides kommt häufiger vor, als man denkt.

  • Aromatisierten Kaffee ohne genaue Kenntnis des Geschmacks. Das ist wie Parfüm.

  • Zubehör für eine Zubereitungsart, die die Person gar nicht benutzt. Deshalb die Frage nach der Art. Nicht nach der Marke.

Und wenn du gar nichts weißt: Bohnen mit Röstdatum, in kleiner Menge, dazu die Frage, womit sie brüht. Beim nächsten Mal weißt du es dann.

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